Interview mit Volontärin Vreni
Veronika war beim Einsatz in Goshene im November 2025 mit dabei

Veronika ist 75-jährig und lebt heute abgelegen in Alp beim Ottenberg TG. Gemeinsam mit ihrem Mann Fredi führte sie während vierzig Jahren ein Sportgeschäft.
Heute geniessen die beiden die Ruhe auf dem Land – fernab von Hektik und Geschäftstätigkeit. Auf ihrem Gehöft leben zwölf Hühner, zwei Esel und eine Katze, die alle versorgt werden wollen. Zum Grundstück gehört auch ein Stück Wald. Mit Heuen, Holzen und der Bewirtschaftung halten sich beide fit.
Zwei erwachsene Töchter mit ihren Familien und Grosskindern wohnen im nächsten Dorf.
In der Scheune stehen zwei Vespas – ihre grosse Leidenschaft. Sobald es warm wird, brausen sie damit gemütlich durch die Gegend.
Lesen Sie im Interview, wie Veronika ihren Einsatz in Goshene erlebt hat:
Was hat dich dazu motiviert, dich für einen freiwilligen Einsatz im Kinderheim bzw. in der Schule in Goshene, Kenia, zu entscheiden?
Der Gwunder! Wir waren bereits mehrere Male in Afrika – allerdings immer als Touristen. Ich wollte Land und Leute einmal von einer anderen Seite kennenlernen, im Busch. Dazu kam auch der Wunsch, mich nützlich zu machen und etwas Gutes zu tun.
Wie bist du auf Watoto-Goshene gestossen?
Durch die Bekanntschaft mit Esther. Ich war früher eine treue Kundin im Geschäft, in dem sie tätig war. In unseren Gesprächen entstand der Wunsch, irgendwann als Freiwillige nach Kenia zu reisen.
Welche Vorbereitungen waren notwendig, bevor du nach Kenia gegangen bist?
Wir hatten keine genauen Vorstellungen von unserem Einsatz.
Ein Ziel war, ein Hühnerhaus zu bauen. Fredi plante und setzte sich intensiv mit der Lebensweise und Hühnerhaltung in Kenia auseinander.
Wie lange war dein Einsatz und was waren deine Hauptaufgaben im Kinderheim?
14 Tage – meine Hauptbeschäftigung war, Zeit mit den Kindern zu verbringen. Die mitgebrachten Bälle waren das grosse Highlight. Unglaublich, wie agil die Kinder sind und wie harmonisch das Volleyballspiel verlief – obwohl es für viele neu war.
Durch heftige Regenfälle, die die Fahrt in den Busch für drei Tage verunmöglichten, blieb ausreichend Zeit, Berge von Kinderkleidern auf der alten Bernina zu flicken.
Welche Art von Unterstützung brauchen die Kinder und die Menschen vor Ort am meisten?
Bildung ist für mich der wichtigste Punkt – und die Chance, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Auch Hygiene spielt eine grosse Rolle.
Die Kinder brauchen nichts Materielles. Ein Beispiel: Zehn Kinder konnten mit fünf Laubblättern ein wunderbar friedliches Spiel gestalten.
Was war das Schwierigste für dich?
Die Korruption und ihre Auswirkungen. Unter anderem, dass Bildungsangebote nicht für alle frei zugänglich sind.
Was hat dir besonders gefallen?
Die Zeit mit den Kindern. Es hat mich beeindruckt, wie zufrieden und friedlich sie sind.
Beim Anstehen fürs Essen geht alles geordnet und ohne Hektik. Die Kinder sind noch nicht so stark von unserer westlichen Zivilisation beeinflusst. Sie leben aus Freude – nicht aus Geltungsdrang oder Gier nach Besitz.
Wie haben die Kinder auf dich und andere freiwillige Helfer reagiert?
Einige waren richtige Klebläuse – sie haben uns beschlagnahmt, wollten Händchen halten und Nähe spüren. Andere, zwei oder drei eher scheue Kinder, reagierten sehr kritisch auf unsere Fotoapparate. Grundsätzlich haben wir strahlende Kinder erlebt, die für jedes Spiel bereit waren – und alle waren sehr anständig!